Frauen in Haft. Ein Brief einer ehemaligen Gefangenen aus der JVA Vechta

Im Jahr 2013 wurde vom Bildungsinstitut des niedersächsischen Justizvollzuges eine Dokumentation über die Situation von Frauen in Haft erstellt welche einer statistischen Erhebung gleichkommt.

Abschließend heißt es darin: „Trotz der Fülle an Informationen sind weitere Faktoren denkbar … . Hierzu gehören u. a. … die Erfahrung traumatischer Situationen/kritischer Lebensereignisse.“

Befasst man sich zunächst mit den darin erhobenen Daten sind folgende wohl am ehesten relevant um hervorzuheben, dass die Situation von Frauen in Haft eine ganz andere ist als die von Männern. Es sind lediglich 5 % aller Inhaftierten in Deutschland weiblichen Geschlechts. In der Regel verfügen sie über keinen oder nur geringen Schulabschluss und keine Berufsausbildung. Welche Gründe sie in jungen Jahren von der Bildung abhielten wurde nicht erhoben. In welchem Milieu mussten sie aufwachsen? Rund 70 % der Frauen wurden wegen Vermögensdelikten straffällig. Sie verbüßen daher nur kurze Haftzeiten von durchschnittlich 9 Monaten, was wiederum ein Unterschied zu Männern ist. Welche Armut sich dahinter verbirgt bleibt ungenannt.  42 % von ihnen sind drogenabhängig. Welcher Leidensweg diese Frauen dahin brachte ist ebenso wenig erörtert worden. Und gar 9 % von ihnen ging vor ihrer Inhaftierung der Prostitution nach.

Nur wie beiläufig ist in dieser Erhebung erwähnt, dass sehr viele dieser Frauen an Depressionen, Angststörungen bis hin zu Posttraumatischen Belastungsstörungen erkrankt sind. Dahinter verbirgt sich die Tatsache, dass die Frauen diese Erkrankungen durch Alkohol, Medikamente, Psychopharmaka und auch Drogen versuchen zu ertragen.

Ursache dieser Erkrankungen sind meist sexueller Missbrauch und Gewalterfahrungen bereits seit dem 16. Lebensjahr, was sich oft in Partnerschaften fortsetzt. Im Gegensatz zu Männern gibt es bei Frauen nur sehr seltene Fälle von Körperverletzung oder Tötungsdelikten, welche oftmals in hochspezifischen Situationen gegenüber z. B. jahrelang prügelnden Partnern verübt werden.

Im Innenhof der JVA für Frauen in Vechta befindet sich ein Gedenkstein mit der Aufschrift „Für unsere verstorbenen Dorgengebraucherinnen“ Wer waren diese Frauen? Es sind nichtmals ihre Namen genannt.

Alles dieses ist hinter verschlossen Türen und hohen Mauern verborgen. Diese Frauen haben keine Lobby. Es ist daher dringend erforderlich Verständnis in die Öffentlichkeit zu bringen. Sozialdienste könnten einige Lebensgeschichten der verstorbenen Frauen zusammentragen um diesen Würde zu verleihen und ein weiteres Projekt könnte umfassen, dass inhaftierte Frauen ihre Leidensgeschichte, welche sie in die Straffälligkeit brachte, anonym aufschreiben und sie in einem Buch veröffentlichen Auch um damit einem Stigma entgegenzuwirken das diese Frauen belastet:

Was taugt ein drogenabhängiger Mensch ohne Bildung der obendrein noch straffällig wurde? Und wer kennt nicht auch diesen Spruch: ‚Sage mir mit wem du dich umgibst und ich sage dir wer du bist.‘ Frauen die in Partnerschaften mit alkoholabhängigen, arbeitslosen und/oder gewalttätigen Männern leben, was taugen sie?

foto: unsplash/ Robert Klank