Briefe aus dem Gefängnis

29.12.16, Petra, JVA Zweibrücken
Absolut nix
„Ich befinde mich zur Zeit in U-Haft. Auf meiner Zelle habe ich keinen Fernseher, absolut nix. Bin total isoliert. Ich bitte Sie, mir eine Zeitung zu spenden, damit ich wenigstens einen Überblick habe, was in der Welt draußen geschieht.“

06.12.16, Jörg, JVA Kassel
Bis zum letzten Tag
„Seit vielen Jahren ermöglich Sie es mir, Zeitungen zu beziehen, die ich mir mit meinem Gehalt von 28 Euro im Monat nie hätte leisten können. Heute habe ich erfahren, dass ich meine Strafe bis zum letzten Tag verbüßen muss. Bin Ersttäter. Ich habe alles gemacht, was mir gesagt wurde, und trotzdem wurde mir kein einziger Tag erlassen… Meine Eltern sind kurz hintereinander gestorben, so dass ich niemanden habe, zu dem ich gehen kann. Vielleicht können Sie mit diesem Hintergrundwissen nachvollziehen, was mir die tägliche Zeitung bedeutet.“

18.08.16, Boris, JVA Straubing
Gegen die Isolation
„Für mich in der Isolation ist Zeitung wie Leben, wenn nicht so gar noch mehr. Ich lese von Seite 1 bis zur letzten Seite, so geht mein Tag für einige Stunden in der U-Isolationshaft sehr gut um.

12.08.16, Gregor, JVA Burg
Man kann sehr schnell verdummen
„Man kann in einem Gefängnis sehr schnell verdummen… Nur weil ich ein Gefangener bin, heißt es ja nicht, dass ich nicht am politischen Leben draußen teilnehmen möchte. Auch ich wähle bei Landtagswahlen und Bundestagswahlen immer per Briefwahl.“

25.07.16, Jens, JVA Schwerte
Nicht nur Mainstream
„Hier in der Justiz (sind) die Informationen sehr einseitig, es gibt nur wenige Tageszeitungen und dann nur TV und Teletext. Die taz bietet mir die „andere“ Sicht, Hintergründe und Berichte, die nicht nur „Mainstream“ sind.“

05.07.2016, Klaus, JVA Mannheim
Wasserstelle in der Wüste
„Ob ich durch die Zeitung klüger werde? Ich werde zumindest nicht dümmer, was hier im Refugium einer JVA geradezu unvermeidlich wäre. Man sollte vielleicht versuchen sich vorzustellen, was es bedeutet, von einem Tag auf den andern von Zeitungen, Zeitschriften, Telefon, Handy, I-Phone, Internet, Laptop etc. abgeschnitten zu sein. Dann eine Tageszeitung zu ergattern, ist wie die Wasserstelle in der weiten Wüste.“

10.06.16, Felix, JVA Landsberg
Am Ball bleiben
„Seit meiner Inhaftierung im Oktober 2013 war und ist eine meiner Ängste, den Anschluss an die Außenwelt zu verlieren. Es ist mir daher sehr wichtig, im politischen, wirtschaftlichen und technologischem Bereich ‚am Ball’ zu sein. “

28.05.2015, Jörg, JVA Kassel
23 Stunden in der Zelle
„Die tägliche Zeitung hilft mir, hier nicht zu verzweifeln. Ich befinde mich in einer Sicherheitszelle ohne Fernseher. Ich habe nur ein kleines Uhrenradio. Die FAZ hilft mir, die 23 Stunden Aufenthalt in der Zelle zu überstehen“

13.05.2015, Manuel, JVA Hünfeld
Eine Zeitung für 84 Gefangene
„Ich bin seit dem 24.8.14 in Haft, besitze keinen Fernseher und bin gerade in diese Justizvollzugsanstalt verlegt worden. Hier muss ich mehrere Monate auf ein Leih-TV-Gerät warten. Die Tageszeitung ist immer vergriffen, denn es gibt nur ein Exemplar für 84 Gefangene!“

08.09.2014, Gefangene, JVA in Nordrhein-Westfalen
Irgendwie noch beteiligt
„Ich freue mich jeden verdammten Tag hier drin wenn ich die Zeitung bekomme, denn so bin ich irgendwie an dem Leben draußen noch beteiligt. Die Zeitung geht an meine Arbeitskollegen weiter und diese geben sie später noch an andere weiter. Also viel gelesen, die Zeitungsspende von Euch. Sage nun auch im Namen von all den anderen, die mit mir die Zeitung lesen, ‚Vielen Dank!‘ und bitte gleichzeitig, dass ich alles weiter bekomme.“

27.08.2014, Gefangener, JVA in Nordrhein-Westfalen
Gefühl von Wertigkeit
„Mir persönlich hat der Bezug der diversen Zeitschriften und Zeitungen – Dank Ihrer Hilfe – regelmäßig das Gefühl von Wertigkeit gegeben, dass ich nicht vergessen wurde und dass es Teile der Bevölkerung gibt, die nicht die Ansicht vertreten, dass der inhaftierte Mensch zur „Negativauslese der Gesellschaft“ gehört.

29.11.13, Markus, JVA Amberg
Den Kopf fit halten
„Ich sehe etwas Normalität im Zeitungslesen.
Es erinnert mich an bessere Zeiten in Freiheit und hält auch meinen Kopf fit, der sonst in diesem Umfeld kaum gefordert wird. Mit dem Einzug des Fernsehens wird der stupide Kasten kaum ausgeschaltet und man steht unter Dauerberieselung, die nicht gerade soziale Kontakte fördert. Deshalb ist es auch immer etwas besinnlich, wenn ich mich in aller Ruhe über die Zeitung hermache.

Es sind im Gefängnis meist die Kleinigkeiten, wie zum Beispiel eine eigene Zeitung, die man lesen kann, wann man will, die einem ein bisschen Zufriedenheit geben. Ohne Zeitung würde mir die Regelmäßigkeit fehlen, die ich mir inzwischen angewöhnt habe. Nach der Arbeit eine Stunde Hofgang und dann etwas Ruhe einkehren lassen und die Zeitung durchblättern. Dies ist für mich das Signal für den ruhigen Teil des Tages.

Die Zeitung kommt auf unserem Gang mit der Post um ca. 14 Uhr. Da ich wochentags auf der Arbeit bin, kann ich sie erst gegen 18 Uhr lesen. Es gibt im Gefängnis viele Mitgefangene, die froh sind, auch wenn sie eine ein- bis zwei Tage alte Zeitung bekommen, und so macht auch meine Zeitung die Runde. Ich überlasse sie dem Hausarbeiter und der gibt sie am nächsten Tag an einen Dritten weiter. Dass er die Zeitung auch weitergibt, ist wahrscheinlich, aber ich habe nicht danach gefragt. Somit sind es mit mir mindestens drei Leute, die die Zeitung lesen. Nur das Wochen-Fernsehprogramm behalte ich für mich.“

29.11.13, Davor, JVA Aachen
Um die Welt im Knast zu überstehen
„Beim Zeitunglesen finde ich die notwendige Ruhe, die wir Inhaftierten so dringend brauchen, um unsere Welt hier im Knast zu ÜBERSTEHEN. Anders als TV oder Radio kann ich selbst entscheiden, welche Themen mich ansprechen und welche nicht. Ohne die Zeitung würde ein Stück Anbindung zum „normalen“ Leben fehlen. Ich wäre auf den Informationsfluss der TV- oder Radiomedien angewiesen, die aber nie so in die Tiefe gehen wie es zum Beispiel eine Tageszeitung vermag.

Die Tageszeitung wird erst spät gegen 19 oder 20 Uhr hier in der JVA Aachen verteilt. Meist kommen zwei – oft sogar drei – Tageszeitungen an einem Abend. Das liegt wirklich nicht am Versand, sondern an unserer Poststelle. Wir weisen schon seit Jahren auf dieses Dilemma hin. In anderen Anstalten funktioniert die Verteilung reibunglos. So lese ich die Zeitung meist abends, kurz vor Einschluss (also gegen 20.30 Uhr). Ich teile meine Zeitung mit zwei weiteren Langstraflern und bekomme im Tausch den FOCUS.

Die Themen zur Justiz werden meist ausgeschnitten und an die hiesige Anstaltszeitung weitergegeben.“

29.11.13, George, JVA Kassel
Warten, Warten und Warten
„Hier hinter den Gefängnismauern vergeht die Zeit unerträglich schleppend. Was bleibt, ist oftmals nur der Rückzug in die eigene Gedankenwelt.

Die Angst davor, dass das Leben jenseits der Mauern im Laufe der Zeit nur noch Erinnerung wird, wird durch das Zeitunglesen vermindert. Ebenso die Abstumpfung. Die Zeitung ist für mich zum Bestandteil in meinem Tagesablauf geworden. Mein Tagesablauf besteht aus Warten, Warten und Warten. Jeden Tag nach dem Mittagessen warte ich auf die Post und die Zeitung. Für mich eine Art Hoffnung.

Der Vollzugsbeamte bringt die Zeitung auf die Zelle, oft gegen 12.30 Uhr, manchmal später, manchmal erst am nächsten Tag. Am nächsten Tag gebe ich die Zeitung bei der Frühstücksausgabe dem Hausarbeiter, der sie an die JVA-Bücherei weiterleitet.“

22.11.13, Hans Georg, JVA Straubing
Das Geschehen nicht völlig aus den Augen verlieren
„Ich bekomme nun seit fast 10 Jahren ununterbrochen eine Zeitung geliefert. Dies hat mir während meiner Haftzeit sehr geholfen und so habe ich den Kontakt mit der „Außenwelt“ und dem politischen und gesellschaftlichen Geschehen nicht völlig aus den Augen verloren, eine Gefahr, die bei einer so langen Haftzeit immer besteht. Des Weiteren ist der Wirtschaftsteil der SZ sehr hilfreich bei meinem Studium im Fach Wirtschaftsinformatik an der Fernuniversität Hagen.“

22.11.13, Reiner, JVA Landsberg
Mein Fenster in die große Welt
„Die tägliche Tageszeitung ist mein Fenster in die große Welt. Ich kann nach Einschluss, wenn sich die Stunden wie Kaugummi dehnen, durch die Zeitung meine Gedanken in die Welt schicken, die mir zur Zeit versperrt ist. Das Zeitunglesen ist für mich ein wichtiges Ritual in meinem immer gleichen Tagesablauf.

Ohne Zeitung wäre ich auf den Fernseher oder das Radio angewiesen und müsste die Nachrichten und Berichte zu den Zeiten schauen, wenn sie gesendet werden. Die Zeitung lese ich dann, wenn ich Lust dazu habe.

Ich hole die Zeitung täglich nach der Arbeit vom Dienstzimmer. So treffe ich auch meinen Stockwerksbeamten und erfahre, ob ich noch private Post habe. Ich teile die Zeitung noch mit zwei Mitgefangenen, die aufgrund ihrer kurzen Haftzeit keine Möglichkeit für ein Abo haben. Weltgeschehen auf der zweiten Seite, den großen Bericht auf Seite drei und die Wissenschaftsseite.

Auch den lokalen Teil über München lese ich sorgfältig, da ich einen persönlichen Bezug zu dieser Stadt habe. Im bayerischen Strafvollzug hat man schon so viele Vergünstigungen gestrichen (Esspakete, Telefonate), ich hoffe, die tägliche Zeitung wird nicht auch noch verboten.“

22.11.13, Werner, JVA Straubing
Sechs, die sich eine Zeitung teilen
„Auch in Freiheit habe ich schon Zeitung gelesen, um ein wenig das Weltgeschehen zu verfolgen. Ohne Zeitung wäre ich nicht so informiert, da ich im Radio und Fernsehen keine Nachrichten höre bzw. sehe. Meistens sind es Kurznachrichten, die nicht ausreichend informieren.

Die Zeitung wird zu Mittag oder spätestens im Laufe des Nachmittags vom Hausarbeiter vor die Zelle gelegt. Je nachdem, wann sie da ist, lese ich einen Teil nach dem Mittagessen und den Rest nach der Arbeit. Nachdem ich die Zeitung ausgelesen habe, gebe ich sie noch am selben Tag weiter. Am nächsten Tag, wenn ich die neue Zeitung bringe, nehme ich die vom Vortag wieder mit und gebe sie dem Nächsten. Wenn er sie gelesen hat, geht sie gleich weiter. Insgesamt sind wir sechs, die sich eine Zeitung teilen.“

15.11.13, Ulrich, JVA Werl
Eines der wenigen normalen Dinge
„Zeitungen oder Bücher für Gefangene halten manche vielleicht für unnötigen Luxus, aber den Gefangenen selbst ist
eine Zeitung oder Zeitschrift eines der wenigen normalen Dinge in einer anormalen Umgebung. Das tägliche Lesen
der Zeitung hält mich auf dem Laufenden, was das gesellschaftliche und politische genauso wie das kulturelle
Leben betrifft.

Als Strafgefangener im geschlossenen Vollzug ist eine Teilnahme am normalen gesellschaftlichen Leben, zumindest
auf Zeit, nicht mehr möglich, an Kino-, Theater- oder Kneipenbesuche nicht zu denken. Politische Diskussionen finden aus Mangel an geeigneten Gesprächspartnern kaum statt. Normalerweise bekomme ich die

Zeitung im Laufe des Vormittags. Ein JVA-Bediensteter bringt sie in meine Zelle. In der Regel lese ich sie sofort, d.h. in der Mittagspause und am frühen Abend. Danach gebe ich sie an Mitgefangene weiter, die sie wiederum
an andere weiterreichen. Ein Zeitungsabonnement wird in der Regel von vielen Gefangenen mitgenutzt.“

6.11.2013 Hans-Joachim, JVA Straubing
Die Zeitung ist quasi meine Ersatzfamilie
„Das Zeitunglesen ist mein einziger Kontakt nach draußen, und egal in welchem Gebiet, bringt sie mir Informationen von draußen, die ich sonst nicht erhalten würde. Man stelle sich vor, man sitzt über 10 Jahre in einem Kerker ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt und würde dann plötzlich entlassen werden. Würde man da dann zurechtkommen?

An andere Informationen, außer aus der Bücherei, kommt man hier schwer, da man beim monatlichen Einkauf keine Zeitung oder Zeitschrift kaufen kann. Es sind nur Abos in begrenztem Umfang (bis zu 3) möglich. Der Verdienstist so gering, das Essen so wenig,keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Mit ca. 30 Euro monatlich muss man Schreibmaterialien, Briefmarken, Toiletten- und Gesundheitsartikel kaufen. TV und Radio ist ja nicht immer zugänglich, und dann nur begrenzt.

Die Zeitung ist quasi meine Ersatzfamilie, die mich anspricht, und hat den Vorteil gegenüber anderen Medien, dass, wenn man einen Abschnitt, einen Satz oder ein Wort nicht verstanden hat, kann man ihn mehrmals lesen und vergleichen.

Zeitunglesen gehört zur Kultur mit dazu und deckt alle Bereiche ab. Wenn ich keine Zeitung bekommen würde, würde ich in kurzer Zeit verdummen. Ich interessiere mich für alle Inhalte, die mir die Zeitung bietet. Ich interessiere mich sogar fürs Wetter, ich male und bin an Kunst interessiert, spiele Gitarre und mir gefallen Reiseberichte oder Berichte über den Erhalt eines alten Handwerks. Politik ist hier in Haft ein Muss, schließlich muss man vor den Wahlen schon wissen, wo es langgeht.

Die Zeitung verteilt ein Mitgefangener, sie kommt in der Mittagszeit zur Kostausgabe, manchmal auch erst abends oder am folgenden Tag. Die Zeitung geht durch 20 Hände oder mehr, einige wollen nur verschiedene Beilagen, andere interessieren sich für den Sportteil und bilden dabei Lesegruppen. Der TV-Teil wird zum Lesen in einer Zelle ausgehängt. Das hat sich mit der Weitergabe schon so
eingespielt, dass niemand die Zeitung missen möchte.“

5.11.2013, Ralf, JVA Hannover
Zeitunglesen als tägliches Ritual
„Ich persönlich zelebriere mein tägliches Zeitunglesen und nehme mir die Zeit, mich in aller Ruhe über das Tagesgeschehen in Politik und Wirtschaft und auch im Sport mit fundiertem Hintergrundwissen zu informieren.

Hier bekomme ich die Zeitung erst gegen 16 Uhr und ich lese sie bis gegen 18 Uhr, jeden Tag. Nach mir lesen sie noch vier Personen und sind regelrecht glücklich, selbst wenn sie die Zeitung 3 bis 4 Tage später erhalten.“

14.09.2013, Christian, JVA Celle
„taz-Lesevergnügen“
„Für mich ist die tägliche taz-Lektüre hinter Gittern ein unverzichtbares Stück Freiheit für Seele und Geist, die mir ermöglicht, „sitzend“ auf dem Laufenden zu bleiben. Neben all den zahlreichen ausführlichen Berichten über das vielfältige Weltgeschehen bietet insbesondere die regelmäßige fundierte Berichterstattung zum Themenkreis Strafvollzug eine hilfreiche Orientierung bei der persönlichen Bewältigung vollzuglicher Widrigkeiten. Kein anderes Printmedium informiert so tiefgehend über die Realität der sozialen Abseitsfalle im vergitterten Strafraum der Justiz.

Aber das taz-Freiabo bedeutet für mich auch eine wohltuende Geste persönlich-sozialer Zuwendung und menschlicher Solidarität. Denn hinter jedem Freiabo steht ein konkreter Mensch, dem das Schicksal von Inhaftierten nicht egal ist und der durch seine Spende einen wertvollen Beitrag zum geistigen Überleben hinter Gittern leistet.

Da ich nunmehr seit neun Jahren ununterbrochen in Isolationshaft untergebracht bin, stellt die tägliche Zeitungslektüre für mich ein psychisch ganz besonders stabilisierendes Ritual dar. Dadurch wird das mitunter extrem beklemmende Gefühl sozialer Isolation zumindest zeitweilig kompensiert. Meist erhalte ich mein Zeitungsexemplar bei der Mittagskostausgabe an der Haftraumtür ausgehändigt – quasi als Seelenverpflegung.

Insofern freue ich mich jedes Mal auf diesen Tageshöhepunkt meines ansonsten eher freudlosen vollzuglichen „Nischendaseins“ in der „Hochsicherheits-Eremitage“ der JVA Celle. Bei dieser Gelegenheit einmal herzlichen Dank all denjenigen, die auch mir das regelmäßige taz-Lesevergnügen bisher ermöglicht haben.“

14.09.2013, Michael, JVA Diez
Für die Dauer des Zeitunglesens bin ich nicht in Haft
„Für die Dauer des Zeitunglesens bin ich nicht in Haft, sondern inmitten des gelesenen Geschehens. Gefangene leben in der Regel ja isoliert, wie unter einer Käseglocke, von den Geschehnissen außerhalb der Mauern erfährt man gerade einmal das Notdürftigste. Ohne Zeitung und „frische“ Informationen wäre der Alltag für viele Gefangene sehr trist und eintönig, da Verwahrvollzug leider immer noch in vielen JVAen gegenwärtig ist.

Die Sicherheit(s- Paranoia) verhindert uneingeschränkte Information und große Stücke normalen Lebens. Normalerweise sollte man die Zeitung am Vormittag des gleichen Tages erhalten, aber das schwankt hier sehr. Manchmal erhalte ich sie erst abends oder gar am nächsten Tag. Davon ist auch abhängig, wann ich sie lesen kann.
Grundsätzlich verhalte ich mich wie ein trockener Schwamm gegenüber Wasser. Ich versuche, Wissen und Informationen aufzusaugen.“