Briefe aus dem Gefängnis zu Corona

12.07.2020, Gefangene, JVA Zweibrücken
Notwendige Belastungen
„Im Großen und Ganzen wurde versucht, unsere Situation nicht mehr als notwendig zu belasten. Ansonsten habe ich Gedanken zur Pandemie, die ich wohl auch ‚draußen‘ so hätte: politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche, gesellschaftspolitische … und natürlich Gedanken und Sorgen um Familie und Freunde.“

08.07.2020, Gefangener, JVA Hagen
Große Verunsicherung
„Zu Beginn der Krise war aus den Nachrichten nicht zu entnehmen, wie ansteckend es sein wird. Man fühlte sich wie eine Ratte im Käfig, ohne Entkommen, falls das Virus einmal eingedrungen sei, dazu kam die Besuchssperre, die einen zusätzlich verunsicherte.“

08.07.2020, Gefangener, JVA Landshut
Eingeschränkter Besuch
„Hier in der JVA Landshut hat sich vor allem der Besuch geändert. Wir dürfen nur noch eine Person pro Besuch und für eine Stunde pro Monat haben (vorher waren es bis zu 3 Personen und 2 x eine Stunde pro Monat). Es wurden auch Trennscheiben an den Tischen angebracht, und beide müssen eine Maske tragen. Als Alternative darf man für 20 Minuten telefonieren.“

08.07.2020, Gefangener, JVA Schwerte
Danke
„Durch die Lieferung von Zeitungen habe ich das Gefühl, nicht ganz so von der Außenwelt abgeschnitten zu sein. Ich habe sonst niemanden da draußen, der an mich denkt … Danke, dass Ihr für mich da seid. Mir das Gefühl vermittelt nicht ganz vergessen zu sein. Dass Menschen noch Ideale und soziales Engagement zeigen. Und das auch gerade in schwierigen Zeiten wie Corona.“

06.07.2020, Gefangener, JVA Schwerte
Mehr als zuvor von der Welt abgeschnitten
„Hier ist es aktuell so, dass seit Mitte März alls Besuche durch Skype ersetzt werden, der Videotext abgeschaltet ist, und man sich durch alle weiteren Maßnahmen mehr als zuvor von der Welt abgeschnitten vorkommt. Gerade in dieser Zeit ist Lesen die Ablenkung Nummer 1, zumal hier aktuell die Bücherei der JVA wegen Corona geschlossen ist.“

06.07.2020, Gefangener, BKH Bayreuth
„Probewohnen dank Corona“
„… hier in Bayreuth wird viel mit Lockerungsstufen gearbeitet. Und fast alle, die gelockert waren, sind nach Hause zum „Probewohnen“ (als therapeut. Maßnahme) geschickt worden. ‚Lockdown‘ für Gelockerte war nicht drin, also ab nach Hause. Man hatte Angst, dass Gelockerte den Virus in die Anstalt bringen. So haben einige ihren Zwangsaufenthalt um ein halbes bis 1 Jahr ‚dank Corona‘ verkürzt.“

26.06.2020, Gefangene, JVA Willich
Strenge Atmosphäre
„Zur Atmosphäre hier kann ich nur sagen, es ist alles härter geworden. Dadurch, dass die Beamten hier auch in Quarantäne waren – zu Hause – entstand eine ’strenge Atmosphäre‘. Methadon-Abgaben finden jetzt vor dem Arbeitsaufschluss statt. Gegessen wird einsam in der Zelle, die Kantine wurde geschlossen. In der Einzelzelle kann man nur noch zu zweit ‚Umschluss‘ machen. In der Dreierzelle auch nur zu maximal 2 oder 3 Personen. Anträge auf Internet-Recherchen nach Adressen draußen brauchen sehr lange. Die Sozialarbeiter sind kurz angebunden und beschweren sich alle, dass sie zu viel zu tun haben.“

26.06.2020, Gefangener, JVA Bayreuth
Auf engem Raum
„Ich war am Anfang in der JVA Nürnberg, da war alles noch normal. Aber weil ich das erste Mal in Strafhaft bin, wurde ich Anfang April nach Bayreuth verschubt. Und hier ist alles schon sehr hart mit den Einschränkungen, hier gibt es zum Beispiel nicht einmal eine Küche und man ist in 6-Mann-Zellen untergebracht. Eine Gemeinschaftzelle ist schon sehr gut um sich zu beschäftigen, aber in 6-Mann-Zellen mit nur einer Stunde Aufschluss und ohne die Möglichkeit, sich z.B. mit Kraftsport auszulasten, ist schon sehr hart und man kann natürlich sehr schlecht auch mal zur Ruhe kommen.“

26.06.2020, Gefangener, JVA Darmstadt
Fast rund um die Uhr in der Zelle
„Dieses Corona führt bis heute dazu, dass wir/ich pro Tag ca. 24 Stunden auf der Zelle, abzüglich einer Stunde Freistunde und – wenn alles gut geht –  einer Stunde Freizeit haben. Keinen Besuch, ab nächster Woche nur eingeschränkt, ohne Kinder. Die Stimmung ist nicht gut.“

22.06.2020, Gefangener, JVA Würzburg
Mikrokosmos JVA
„Es ist das erste Mal seit Beginn der Corona-Pandemie, das sich jemand nach meinen Gedanken und Empfindungen erkundigt. Danke dafür. In den Anfängen der Pandemie, Anfang März, hatte ich ein Gefühl von Hilflosigkeit und Angst. Dazu muss man wissen, dass eine JVA eine Art Mikrokosmos darstellt, eine Blase inmitten der Gesellschaft mit eigenen Regeln und Bedingungen – abgeschottet (relativ) von der Außenwelt. Was passiert, wenn der Virus uns erreicht, war und ist die Hauptfrage für mich.“

17.06.2020, Gefangener, JVA Freiburg
Anstaltsbetriebe wieder geöffnet
„Mittlerweile sind zumindest die Anstaltsbetriebe wieder geöffnet, so dasss die Gefangenen aus den Zellen kommen können, auch ökonomisch ist das wichtig, da der Lohn nicht ersetzt wurde.“

09.06.2020, Gefangener, JVA München
Aufschlusszeiten helfen
„Heute waren die ersten Besuche wieder möglich, aber nur hinter Glas, inklusive Maske, was wiederum nicht gerade top für Besuche mit Kindern ist. Ich denke, ich werde meiner Frau davon abraten, unseren Sohn mitzubringen, weil ich das für 4jährige Als nicht zumutbar empfinde. Ansonsten ist die Stimmung auf dem Gang immer gut, da wir uns in einem Arbeitsverhältnis für die JVA befinden.  Wir gehen um 5.30 Uhr in die Küche zum Arbeiten, kommen zum Teil erst um 13.30 Uhr zurück und werden erst um 16.30 Uhr wieder zugesperrt, sind also priveligiert, uns 12 Stunden quasi frei zu bewegen. Wenn man im Gegensatz dazu größtenteils 23 Stunden am Tag in seiner Zelle eingesperrt ist, bis auf ein paar Umschlüsse und Duschgänge, sind das schon gewaltig andere Haftbedingungen“

06.06.2020, Gefangener, JVA Luckau-Duben
30 Minuten skypen
„Ich selbst weiß nicht, wann meine Einzeltherapie wieder normal weiterläuft. Außerdem sollte ich zur Vergabe der Abi-Zeugnisse meiner ältesten Tochter eine erste Ausgührung nach 7 Jahren Haft erhalten, die nun nicht zustande kommt. Die Anstalt hat im Mai jedem Gefangenen 15 Euro Telefongeld überwiesen, was mit persönlcih geholfen hat. Außerdem wurde die Möglichkeit geschaffen, 30 Minuten Skype-„Besuch“ wahrzunehmen. Ich selbst habe es noch nicht ausprobiert, aber die, die es nutzen, hoffen, dass die Maßnahme auch nach der Krise nicht zurückgenommen wird.“

06.06.2020, Gefangener, JVA Bayreuth
Besuche wieder möglich
„Ab 9.6.20 wird es wieder Besuche geben, 1 x monatlich, 1 Person, Abstand 1,5 m, beide mit Mund-Nasen-Maske. Dankenswerterweise ermöglicht die hiesige JVA drei 15-minütige Telefonate auf Kosten der Anstalt.“

05.06.2020, Gefangener, JVA Rosdorf
Dicke Luft
„Wir dürfen keinen Besuch mehr empfangen. Das Sportangebot wurde reduziert. Es gibt keine Seelsorgegruppen mehr. Der Einkauf wird andauernd verschoben und wir haben weniger Angebote bzw. auf Wünsche von Gefangenen wird weniger Rücksicht genommen. Wir dürfen in der U-Haft nur 3x wöchentlich mit unseren Familien für jeweils 15 min telefonieren. Es herrscht dicke Luft zwischen den Gefangenen. Anwälte kommen seltener. Gerichtstermine werden verschoben.“

17.05.2020, Gefangener, JVA Offenburg
In Quarantäne auf 4-Mann-Zelle
„Da ich wegen mehrerer Auseinandersetzungen u.s.w. nicht weiter für die Ausbildung geeignet bin und weil mein zuständiger Knast ein anderer ist, wurde ich nun wieder verlegt, hier sitze ich jetzt aufgrund des Corona-Virus in Quarantäne, komme nicht auf meinen Flügel und verstehe die verdammte Welt nicht mehr. Ich war Jahre in meiner 1-Mann-Zelle, jetzt muss ich in einer 4-Mann-Zelle klarkommen.“

14.05.2020, Gefangener, JVA Heidering
Noch mehr Zeit zum Nachdenken
„Die Stimmung hier wird von Woche zu Woche aggressiver. Das merkt man u.a. auch daran, dass fast täglich Anstaltsalarm ausgelöst wird. Und das bedeutet, dass sich wieder 2 oder 3 ’nicht einig‘ sind! … Ich gehöre aufgrund einer Vorerkrankung zur Risikogruppe und habe deshalb große Angst vor einer Ansteckung (Einer Ansteckung hier in der JVA!) Der Anstaltsarzt hat mich im April von der Arbeit hier (Küche) freigestellt und somit habe ich jetzt noch mehr Zeit zum Nachdenken … “

13.05.2020, Gefangener, JVA Hagen
Realität sieht düster aus
„… wir dürfen seit ca. 2 Monaten keine Besuche empfangen, was so ziemlich das Belastendste ist, da die persönlichen Besuche das Wichtigste und Schönste sind, was man bekommen kann. Zwar wurde uns versprochen, 2 x im Monat anrufen zu können, aber die Realität sieht sehr düster aus.
Nur 1 x anrufen zur Besuchsabsage. Ich kann nur aus meiner Perspektive schreiben, bestimmt wird es in anderen JVAs anders organisiert.“

13.05.2020, Gefangener, JVA Essen
Kein Schutz für Gefangene
„… für 430 Gefangene und Mitarbeiter gibt es jetzt Mitte Mai immer noch keine Schutzausrüstung. Die Gefangenen sitzen ungeschützt vor dem Arztzimmer, gehen zur Arbeit, duschen gemeinsam, gehen zum Sport und nehmen am Gottesdienst teil. Regelungen, welche für die Bürger in NRW gelten, gibt es hier nicht. Lediglich Besucher dürfen die JVA nicht mehr betreten. Seelische und psychische Probleme der Insassen steigen und nehmen überhand. Es gibt hier keinen Schutz für Gefangene, obwohl auch hier viele zu mindestens einer Risikogruppe gehören. JVA-Insassen haben eben keine Lobby.“

13.05.2020, Gefangener, JVA München
Zeitungslesen ist Luxus
„In diesen schweren Zeiten ist es schon ein gewisser Luxus, eine neutrale Zeitung druckfrisch zu erhalten.“

13.05.2020, Gefangener, JVA Geldern
Positiv bleiben
“ Erstaunlich bis erschreckend nehme ich wahr, dass zunehmend an der Integrität und dem Fachwissen von Virologen und Co. gezweifelt wird. Auch geht der Hype um die Systemrelevanten vorbei, wobei ich das sehr bigott fand, denn Applaus braucht keiner, mehr Geld wäre hilfreicher. Ansonsten beschäftige ich mich derzeit wenig mit der Lage. Selbst lese und schreibe ich viel, vertreibe mir so die Zeit. Das Thema wird uns noch einige Monate begleiten, doch bleibe ich positiv – nur hoffentlich nicht beim Covid-19-Test.“

13.05.2020, Gefangener, JVA Tonna
Angespannte Stimmung
„Die Stimmung hier ist sehr angespannt, was an dem Besuchsverbot liegt… Am meisten bewegt mich, dass ich meine Kinder nicht sehen kann.“

11.05.2020, Gefangener, JVA Bremervörde
Katastrophal
„Es ist schmerzvoll, inhaftiert und noch die zusätzliche Isolierung, kein Sport, keine Gruppen, kein Besuch, kein Langzeitbesuch = völlige Entfremdung von Frau und Kleinkind. Katastrophal sage ich nur, menschenunwürdig. Das Kind weint am Telefon, weil es schon seit Monaten Papa besuchen fahren will und nicht darf, da blutet das Herz. Und am nächsten Morgen soll man dann für nicht mal 10 Euro in den Betrieb gehen und ‚Pensum‘ malochen. Da ist dann alles egal.“

03.05.2020, Gefangener, JVA Landsberg
Man sieht die Bemühung
„Wie geht es mir in der Corona-Krise? Ich sage mal, platt gesprochen, besser als vorher. Warum? Die Anstalt stellt mir kostenlos einen Fernseher zur Verfügung. Das Besuchsverbot trifft mich nicht. Bekomme eh keinen. Es wird mehr auf Hygiene geachtet. Abstand im Speisesaal. Ausgabe von Besteck, eingewickelt in Papierserviette und Essenstablett von extra abgestelltem Küchenpersonal. Leckerlis am Wochenende, z.B. Schokolade, Backwaren. Obstversorgung wohl auch besser. Abstand beim Gottesdienst. Dass es den überhaupt noch durchgehend hier drinnen gibt, wirklich tolle Leistung von der Seelsorge. Im Sanibereich bei jedem Fiebermessung, Händedesinfektion, Abstand der Sitzplätze. Quarantäne im Zugang. Letztens wurde sogar Seife an alle Gefangenen ausgegeben, zwar etwas spät, aber man sieht die Bemühung. Wir sind hier solange sicher, wie nichts von draußen, also von den Beamten eingeschleppt wird.“

26.04.2020, Gefangener, JVA Burg
Warten auf Verlegung
„Mich persönlich betrifft die Einstellung der Transporte, denn ich hatte Mitte März eine (geplante) Überführung in die JVA Dresden. Ich habe meine Familie das letzte Mal Mitte Januar gesehen. Ich warte nun gespannt auf Lockerung der Maßnahmen.“

24.04.2020, Gefangene, JVA Zweibrücken
Freigang fehlt
„Ich in zur Zeit im offenen Vollzug, aber wegen der Corona-Pandemie wurden uns leider die Lockerungen gesperrt. Das heißt, keine 5 Stunden Ausgang und keinen Urlaub mehr. Die Stimmung ist momentan hier ganz schön angespannt. Mit meinem Mann habe ich momentan eine große Krise und es wäre höchste Zeit, dass ich in Kürze mal wieder 4 oder 5 Tage Urlaub bekomme, damit ich mal nachsehen kann und mit ihm sprechen kann, was da eigentlich zu Hause schief läuft.“

20.04.2020, Gefangener, JVA Rheinbach
Sonderfreistunde 60+
„Die Freistunden wurden von ehemals 2 auf 4 Stunden erhöht, daher fällt der Umschluss am Wochenende weg. Desweiteren wurde eine ‚Sonderfreistunde‘ für altersgefährdete Personen (60+) zusätzlich seperat eingeführt. Umschluss nur noch 1 Besucher anstatt zuvor 4 Personen maximal im Haftraum.“

19.04.2020, Gefangener, LWL-Klinik Herne
Öfter Stress
„Etwas mehr und etwas öfter Stress auf der Station. Mich bewegt nur eine Frage: Ob es mit der Freistunde klappt? Das Duschen kann ich mir schon abschminken. Ist Wochenende und es sind nur zwei Pfleger auf der Station.“

14.04.2020, Gefangener, Untersuchungshaftanstalt Hamburg
23 Stunden Tür zu
„Jeder träumt von einer Haftverschonung. Hier sind bis jetzt nur 40 Gefangene, laut Medien, vorläufig entlassen worden. Sonst bekomme ich nichts von der Covid-19-Pandemie mit. Ich bin vielleicht auch nicht der richtige Ansprechpartner. 23 Stunden die Tür zu, da bekommt man nicht so viel mit.“

14.04.2020, Gefangener, JVA Kassel II
Freude über Freiabonnement
„Diese Woche habe ich ‚Die Zeit‘ das erste Mal erhalten, und ich freue mich sehr darüber – gerade weil der Werkhof zur Zeit geschlossen ist und wir keine Arbeit haben … ich werde sie mit meinen Mitlesern teilen und weitergeben.“

14.04.2020, Gefangener, JVA Uelzen
Lockerungen fehlen
„Im Rahmen meiner sozialtherapeutischen Behandlung hatte ich in den vergangenen 12 Monaten durch Lockerungsmaßnahmen wieder die Möglichkeit, mich zweimal im Monat außerhalb des Gefängnisses mit Freunden und Angehörigen zu treffen. Dass das jetzt wieder ganz unmöglich ist, tut weh und macht mich traurig.“

14.04.2020, Gefangener, JVKH Hohenasperg
Ausgleich durch Auszeiten
„Insgesamt ist die Stimmung recht ruhig, aber durch den Wegfall der Arbeit gibt es zum Teil zwischen den Bewohnern von Mehrmann-Zellen Reibereien. Viele versuchen, durch Auszeiten, Filmabende und Aufenthalte in den Gruppen- und Freizeiträumen einen Ausgleich zu schaffen.““

14.04.2020, Gefangene, JVA Frankfurt
Hoffnung auf baldige Besserung
„Ich hoffe, dass sich die momentane Situation um das Covid-19-Virus bald wieder entspannt und dass sehr bald ein Mittel gefunden oder entwickelt wird, um das Ganze einzudämmen, denn das ist für die Menschen, aber auch für die Witschaft mehr als wichtig.“

14.04.2020, Gefangener, JVA Straubing
Wenigstens etwas zu lesen
„Ich möchte Sie bitten, mir die Tageszeitungen weiter zukommen zu lassen. So habe ich wenigstens in der aktuellen Corona-Krise, wo keine Besuche in der JVA erlaubt sind und ich zur Zeit auch nicht arbeiten kann, etwas zu lesen. Derzeit beschäftigt mich am meisten, dass ich eben keine Besuche von Familie und meiner Freundin bekommen darf, und um meine 91-jährige Großmutter mache ich mir große Sorgen. Aber die JVA ermöglicht es uns Gefangenen zur Zeit häufiger zu telefonieren und seite Kurzem sogar zu skypen.“

14.04.2020, Gefangener, JVA Heilbronn
Alles nicht so einfach
„Auf der Abteilung, auf der ich untergebracht bin, muss nun die ganze Abteilung geräumt werden, da hier eine ‚Corona-Isolierung‘ entstehen soll. Viele langstrafige, wie auch ich, müssen nun irgendwo hinziehen, wo es Platz gibt. Bei mir ist die Schwierigkeit und die Belastung extrem, da ich auch noch eine Vogelvoliere mit zwei Wellensittichen in meinem Haftraum habe, zudem stehen dieses Jahr meine Abschlussprüfungen an … Alles nicht so einfach auch für meine Psyche … man fühlt sich als wird einem die Wohnung weggenommen.“

14.04.2020, Gefangener, JVA Luckau-Duben
Umzug oder Kündigung
„Am 1.4. gingen Gerüchte durch den Knast, dass alle arbeitenden Gefangenen umziehen und getrennt nach Arbeitskommandos untergebracht werden sollen. Das führte schon im Vorfeld zu lautstarken Protesten auf den Bereichen. Es gab keine Absprachen in Gruppenräumen, sondern die Abteilungsleiter gingen von Zelle zu Zelle und befragten die Arbeiter und Nichtarbeiter, ob sie bereit wären umzuziehen. Nur die allerwenigstens waren einverstanden und wer als Arbeiter nicht umziehen wollte, verlor seine Arbeit durch Kündigung. So einige haben das in Kauf genommen.“

14.04.2020, Gefangener, JVA Nürnberg
Wie ein Film
„Die allgemeine Stimmung würde ich als ruhig und gelassen bezeichnen, wirkt alles ziemlich surreal auf uns hier im Knast, da wir alles nur über den Fernseher mitbekommen und es wirkt wie ein schlechter Hollywood-Film, wäre es nicht so grausam und brutal, wenn man die hohen Zahlen an Toten bedenkt.“

14.04.2020, Gefangene, JVA Luckau-Duben
Dem Ganzen schutzlos gegenüber
„Mir wurde meine beantragte Isolierung abgelehnt, obwohl ich zur Risikogruppe gehöre.“

03.04.2020, Gefangener, JVA Hohenleuben
Besuchsverbot trifft hart
„Ich bin 79 Jahre alt und meine Frau 78 Jahre. Bei längerer Dauer der Beschränkung – was ich stark vermute – besteht die Gefahr, dass wir uns nicht wiedersehen. “

03.04.2020, GEfangener, JVA Neuruppin
Niemanden zum Reden
„Dadurch, dass die Gesprächsgruppen nicht stattfinden, die mir helfen könnten, fühle ich mich ziemlich allein gelassen. Denn mit anderen Gefangenen rede ich nicht über meine Probleme.“

03.04.2020, Gefangener, JVA Freiburg
Angst vor Ansteckung
„Ich bin Corona-Risikopatient, auch noch andere Gefangene, aber wir erhalten keinen Mundschutz und auch kein Desinfektionsmittel für den Haftraum oder Handschuhe. Begründung: Panikmache und Missbrauchsgefahr, und es wird lapidar gesagt: Sie können sich ja einschließn lassen.“

03.04.2020, Gefangener, JVA Kaisheim
Der Wissenschaft vertrauen
„Ich vertraue erstmal auf die Wissenschaft, die Virologen. Ich folge ihrer Einschätzung und ihrem Rat. Mir wäre lieb, wenn das die Politik auch täte. Auch den Wissenschaftlern in allen anderen Bereichen wie Umweltschutz, Meeresbiologie, den Glaziologen usw… die Liste ist lang und diese warnen schon seit Jahrzehnten.“

03.04.2020, Gefangener, JVA Kaisheim
Telefonate sind kein Ersatz
„Als Ersatz für die Besuche werden ‚großzügig‘ Telefonate gewährt, jedoch bloß jeweils von 10minütiger Dauer und im Beisein eines Beamten, der alles über Lautsprecher mithört. Für mich undenkbar, no way. Bei Besuchen hört auch niemand mit.“

03.04.2020, Gefangener, JVA Zweibrücken
Vieles verändert
„Ich darf keine Besuche mehr empfangen und meine Ausbildung nicht weiter ausüben … Jede Abteilung geht bis auf Weiteres allein in den Hof. Ich nehme die Stimmung um mich sehr wahr. Und was mich am meisten bewegt: Was wird passieren? Besiegen wir die Corona-Pandemie? Schaffen wir das oder wird es so weitergehen? Ich hoffe, nicht. Ich hoffe, dass bald ein Impfstoff gefunden wird.“

03.04.2020, Gefangener, JVA Bruchsal
Stimmung mittelmäßig
„Die Arbeitsbetriebe sind geschlossen, bis auf die notwendigen Betriebe wie die Wäscherei, Küche und Elektrowerkstatt … Was die Küchenarbeiter betrifft, so hat man für den Fall des Falles vorgesorgt, indem man diese in 2 Gruppen und in getrennten Häusern untergebracht hat.“

01.04.2020, Gefangener, JVA Diez
Der Mutter die letzte Ehre erweisen
„Im Dezember verstarb meine Mutter, als letztes mir noch verbliebenes Familienmitglied. Zur Beisetzung am 7.1.20 durfte ich aus Gründen der Sicherheitsparanoia nicht. Ich könnte ‚kurz nach‘ der Beerdigung ans Grab ausgeführt werden! … Zum 10.3.2020 sollte ich eine Heimausführung und zum Grab der Mutter bekommen. Diese wurde dann zum 5.3.2020 ohne Begründung wieder gestrichen; da war Corona noch keine Pandemie. Dass ich meiner Mutter noch immer nicht die letzte Ehre erweisen konnte und mich nicht um mein Erbe (spätere Existenz) kann und die Corona-Pandemie dies auf Monate hinaus verzögert; dass meine Schulden anwachsen; das belastet und beschäftigt mich schon sehr!“

01.04.2020, Gefangener, JVA Straubing
Hamsterkäufe
„Auch hier sind Hamsterkäufe eingetreten und es gibt Gerüchte, dass nur noch morgen und übermorgen das letzte Mal Einkauf ist. Tabak, Kaffee und Papers sollen dann über die Kammer ausgegeben werden.“

01.04.2020, Gefangener, JVA Detmold
Angst vor Ansteckung
„Die Mitgefangenen, die ansonsten Besuch erhalten, vermissen dies sehr, ansonsten ist besonders die Sorge vorhanden, dass der Virus in die JVA eingeschleppt wird.“

30.03.2020, Gefangener, JVA Oldenburg
Sinnvolle Maßnahmen
„Ich kann sagen, dass aus meiner Sicht die JVA alles sehr gut im Griff hat. Wir werden regelmäßig von unserem Anstaltsleiter über neue bzw. weitere Maßnahmen informiert… Erwähnenswert ist eine sehr sinnvolle Sicherheitsmaßnahme. Jeder, der sich zum Arzt meldet, geht erst einmal in den Einschluss. Die Ärztin entscheidet dann über die weitere Vorgehensweise.“

30.03.2020, Gefangene, JVA Luckau-Duben
Große Sorge um die eigene Gesundheit
„Gestern fragte ich eine Bedienstete, welche Hygienemaßnahmen für ankommende Bedienstete bestehen. Antwort: ‚Darf ich Ihnen nicht sagen.‘ Was empfinde ich bei dieser Antwort? … Es ist übrigens der allgemein üblich Umgang mit Gefangenen, nur in der großen Sorge um die eigene Gesundheit sollten Gefangene Infos erhalten …

Keiner der Bediensteten fragt, wie es den Frauen mit ihren berechtigt großen Sorgen um ihre Kinder, ihre Familienangehörigen geht … Die Ausgabe des Gefangeneneinkaufs findet getrennt auf den Stationen statt. Gute Idee, aber sinnlos, solange die Virenwege offen sind: Sport und Freistunde … Am 23.3. stellte ich den Antrag auf Isolation, da ich mit 67 Jahren zur Risikogruppe gehöre. Am 26.3.erhielt ich von der Bediensteten auf meine Anfrage, wann die Beantwortung meines Antrags erfolgt, die lapidare Antwort: ‚Wir haben 14 Tage Zeit dazu.‘ Ist die Corona-Krise bei den Bediensteten noch nicht angekommen?“

30.03.2020, Gefangener, JVA Lingen/Groß-Hesepe
Infos nur aus den Nachrichten
„Es redet hier niemand mit uns. Wir bekommen keine Infos, wie es um die Haftanstalt steht. Wir kriegen nur das mit, was man in den TV-Nachrichten sehen kann.“

30.03.2020, Gefangener, JVA Werl
Leere Regale
„Wir haben absolute Besuchssperre, dazu neue Arbeitsaufschluss- und Freistunden-Regelungen mit dem Ziel, Gruppen möglichst zu verkleinern. Dazu weitere Einschränkungen wie samstags keine Teeküchen-Nutzung … Und beim Einkauf gab’s lange Gesichter. Bestimmte Waren wie z.B. Tomatenmark kamen diesmal nicht mit – leere Regale auch beim Lieferanten.“

27.03.2020, Gefangener, Maßregelvollzug Berlin
Telefone defekt
„Das Telefonieren ist hier kaum noch möglich, da die Stationstelefone ein wenig defekt sind, sie rauschen beim Telefonieren oder sind zu leise. Sie sind zu alt, um Ersatzteile zu erhalten. Deswegen schreibe ich meinen sozialen Kontakten meistens.“

27.03.2020 Gefangener, JVA Weiterstadt
Konsequenzen und Vergünstigungen
„Klar haben wir nun auch Konsequenzen zu spüren, wie z.B. dass die Besuche ausfallen oder dass viele Gefangen nicht arbeiten gehen können. Dafür haben wir mehr Telefonzeiten und wir haben doppelt so viel Freizeit und doppelt so viel Hofgang. Natürlich ist dies nur zu bewältigen, solange es noch gesunde Beamte gibt.“

26.03.2020, Gefangener, JVA Mannheim
Zeitungen als ‚Lebensspender‘
„Gerade in der heutigen Zeit, in der vielleicht einige Menschen außerhalb der Mauern spüren oder zumindest erahnen können, was es bedeutet, eingeschlossen und der Freiheit entzogen, auf engstem Raum (2,35 m2 Nettobewegungsfläche) eingepfercht zu sein, und dies für Tage, Wochen, Monate und Jahre, sind Zeitungen und Zeitschriften geradezu ein ‚Lebensspender'“

26.03.2020, Gefangener, JVA Hannover
Hochzeit in Gefahr
„Als ich in Haft das erste Mal wahrgenommen hatte, dass das Corona-Virus kursiert, dachte ich, wie wohl viele, dass ich damit nichts zu tun haben werde und dies mein persönliches Leben in Haft nicht einschränken wird. In diesem Zeitraum plante ich zudem gerade meine Hochzeit. Doch in relativ kurzer Zeit bemerkte ich um mich herum, dass es täglich neue Maßnahmen gab, die auch unmittelbar Einfluss auf mich hatten. So wurde plötzlich die Besuchsregel geändert. Besuche sollten plötzlich nur noch hinter einer Trennschreibe stattfinden … Meine Hochzeit stand die ganze Zeit auf der Kippe. Der Termin sollte der 18.3. sein. Als dieser näherrückte, gäbe es fast stündlich neue Ansagen der JVA dazu … Zum Termin ging ich nach vorne in die Besuchsabteilung. Der Besuchsbeamte sagte zu mir, dass ich meine Frau so wenig wie möglich berühren solle, was immer damit gemeint sein sollte. Doch in dem Raum saß meine Frau dann neben mir und wir konnten uns auch noch anfassen. Nach der Trauung gaben sie uns noch eine Stunde Zeit. Natürlich waren wir nicht alleine, der Pastor saß mit im Raum. Als wir dann nach dieser Stunde aus dem Besuchszimmer gingen, teilte uns der Besuchsbeamte mit, dass ab sofort alle Besuche in Niedersachsen bis auf weiteres gestrichen seien.“

26.03.2020, Gefangener, JVA Hannover
Schwerer, an Informationen zu kommen
„Da die Gefangenen es viel schwerer haben, an Informationen zu kommen, da sie keine Möglichkeit haben, das Internet zu nutzen, haben sie Angst. Fühlten sie sich schon vor dieser Krise ohnmächtig, weil sie von anderen abhängig sind, hat diese Angst erheblich zugenommen. Bei vielen stehen Entlassungsvorbereitungen an, die durch diese Situation völlig offen sind.“

26.03.2020, Gefangener, JVA Heilbronn
Skype ersetzt Besuche vor Ort
„Die bisher gravierendste Veränderung ist die Besuchsversagung für Familie, Freunde und auch selbst Anwälte … Wobei man auch sagen muss, dass die JVA alles dafür tut, was momentan möglich ist, um die sozialen Kontakte aufrecht zu erhalten. So hat jeder Gefangene die Möglichkeit via Skype mit seinen Angehörigen 1 x monatlich 1,5 Stunden zu skypen, … das entgangene Besuchsgeld (hier in Heilbronn ca 30 Euro pro Monat) (wurde) als zusätzliches Sondergeld genehmigt.“

26.03.2020, Gefangener, JVA Saarbrücken
Mit weiteren Einschränkungen rechnen
„Beim Telefonieren müssen nun Schutzmaßnahmen ergriffen werden (z.B. Tragen eines Mundschutzes). Mit weiteren Einschränkungen ist zu rechnen. Die Anstaltsleitung ist trotz der Krise bemüht, den Haftalltag so erträglich wie möglich zu gestalten. Es finden Quizzduelle statt. Das Telefonkontingent wurde erhöht, ab nächster Woche sind Skype-Telefonate möglich. Die Freistunde fand gestern zweimal statt … Die Inhaftierten, zumindest die meisten, verstehen den Ernst der Lage.“

26.03.2020, Gefangener, JVA Weiterstadt
Das Virus ernst nehmen
„Zur Abmilderung der Einschränkungen werden die Freizeiten und das Sportangebot für alle Gefangenen ausgeweitet. Soweit organisatorisch möglich, werden auch die Freistunden verlängert. Dass das Sportangebot ausgeweitet werden soll, kann ich selbst nicht verstehen, denn es heißt ja laut Robert-Koch-Institut, es sollen nicht mehr als 5 Personen zusammensein, und Sport in einer Halle schon mal gar nicht… Die Gefangenen nehmen die Sache leider hier nicht für ernst. Denn sie freuen sich, dass sie mehr Sport machen können. Ich selbst nehme die Sache sehr ernst, da ich selbst (seitdem ich 13 J. bin) beim DRK bin und weiß daher genau, was ein Virus, den man noch nicht besonders gut kennt, machen kann“

26.03.2020, Gefangene, JVA Frankfurt
Kein Gang mehr zur Bücherei
„Der Werkbetrieb, Bürokurs, Verkaufskurs, Ausbildungsbetrieb der Lehrküche zur Köchin und Servicekraft fallen bis auf Weiteres aus. Ab April entfallen die TV-Gebühren. Ab 31. März entfällt der Sichteinkauf, dafür Tüteneinkauf. Kein Gang mehr zur Bücherei. Alle Frauen, die nicht arbeiten, haben ab April Anspruch auf Taschengeld.“

24.03.2020, Gefangener, JVA Frankenthal
Großer Umzug innerhalb der Anstalt
„Wir mussten das oberste Stockwerk komplett räumen, um Platz für eventuell Infizierte zu schaffen. Dies war mit einem großen Umzug innerhalb der Anstalt verbunden. Die Bediensteten laufen mit Mundschutz sowie Latexhandschuhen herum. Schon irgendwie komisch. Ich hoffe, dass meine Familie nicht angesteckt wird, und dass meine Oma, die nun in der Türkei lebt, gesund bleibt.“

23.03.2020, Gefangener, JVA Bremervörde
Personal reduziert
„Erweiterte festgelegte Beschränkung ist, dass der Nachteinschluss ab dem 24.3.20 statt um 19.15 Uhr bereits 17.30 Uhr stattfindet, da das Personal reduziert wird.“

23.03.2020, Gefangener, JVA Wöllstein
Mehr Bewegungsfreiheit
„Ich bin in einem U-Haft-Flügel, wo es keine offene Freizeit gibt. Aufgrund von mir nicht erkenntlichen Gründen. Anscheinend wegen der Sicherheitslage von Untersuchungsgefangenen. Allerdings sind auch einige Strafgefangene hier untergebracht. Unsere Freizeit ist lediglich auf die Küche und einen Freizeitraum beschränkt. Da sich aber dort viele Gefangene täglich auf engstem Raum 2 Stunden aufhalten, ist unsere Freizeit nun offen. Heißt, wir können uns 2 Stunden am Abend frei auf unserem Flügel bewegen. Etwas gutes für uns. Der Gottesdienst findet nicht statt und die Geistlichen sind auch nicht persönlich zu empfangen. “

23.03.2020, Gefangener, JVA Straubing
Nach draußen keine Kontakte mehr
„Den über 60jährigen ist es hier freigestellt, ob sie arbeiten wollen oder nicht. Ansonsten läuft die Arbeit in den Betrieben noch einigermaßen normal. Das kann sich aber sehr schnell ändern. Auch wurden wir darauf hingewiesen, beim Hofgang und Aufschluss Rudelbildung zu vermeiden … Ich persönlich habe mit meinen fast 77 Jahren kein Problem mit Corona. Es wartet niemand auf mich und ich habe nach draußen keine Kontakte mehr.“

23.03.2020, Gefangener, JVA Sehnde
Telefone durchgängig freigeschaltet
„Es wurde einmal Seife an Inhaftierte verteilt, um sich oft die Hände waschen zu können. Verhaltens-Hygieneregeln wurden mehrsprachig auf der Station ausgelegt (auch bebildert für die Analphabeten). Der externe Anstaltskaufmann darf die JVA zum Glück noch beliefern und ich konnte einkaufen. Die JVA hat, wegen des Wegfalls der Besuche, die Telefone (auch in den Hafträumen) durchgehend ‚freigeschaltet‘, so dass ich nun rund um die Uhr telefonieren kann. Die JVA Sehnde hat den technischen Komfort, dass man auch Skype-Besuche durchführen kann. Die Freistunden finden auch statt.“

23.03.2020, Gefangener, JVA Straubing
Ausgiebige Lektüre
„‚Draußen‘ hätte ich mir längst eine Atemschutzmaske besorgt, das geht hier nicht. Schon wegen der vermeintlichen Vermummung … Da sämtliche Freizeitkurse gestrichen sind, reduziert sich das Anstaltsleben auf Hofgang und Zelle. Damit steigt die ohnehin gegebenene Tristesse noch einmal massiv an. Insofern ist es extrem wichtig, weiterhin die Süddeutsche Zeitung zu erhalten. Nunmehr ist die Lektüre noch ausgiebiger, weil dafür mehr Zeit vorhanden ist.“

23.03.2020, Gefangener, JVA Burg
Kaum noch Kontakt
„Bis auf die Küche und die Gefangenen, die für die Versorgung arbeiten, wurden alle Betriebe hier in der JVA bis auf Weiteres geschlossen. Es gibt unter den einzelnen Stationen kaum noch Kontakt.“

23.03.2020, Gefangener, JVA Zweibrücken
Stimmung angespannt
„Besuchssperre, eingestellte Arbeiten in fast allen Betrieben sowie Kontaktverbot. Die Stimmung ist zur Zeit überall angespannt. Man bekommt auch keine Bücher aus der Bibliothek.“

22.03.2020, Gefangener, JVA Hannover
Deutlichere Wahrnehmung
„Als alleinerziehender Vater, dessen Kinder mit ihrer Großmutter in einem Mehrgenerationenhaus leben, geht mir ebendiese Konstellation nun noch öfter durch den Kopf als an anderen Tagen. So ist dadurch auch die Last der eigenen Schuld an den Lebensumständen geliebter Menschen deutlicher wahrzunehmen. Doch diese Last muss nicht erdrücken, sie kann auch Motivation zur Veränderung sein.“

22.03.2020, Gefangener, JVA Heimsheim
Lage bislang ruhig
„Bisher ist die Lage noch ruhig, obwohl bereits alle Besuche abgesagt worden sind, alle ehrenamtlichen Gruppenleiter abgewiesen werden. Meine Schachgruppe läuft vorerst ohne Gruppenleitung, sondern nur unter den Freizeitbeamten weiter. Der letzte Einkauf hat gut geklappt. Die Frage ist, ob das so bleibt und wie lange? Für mich stellt sich zusätzlich die Frage, ob ich meine Medikamente gegen Depression noch bekomme werde. Wie lange werden wir noch Arbeit haben und arbeiten können? Ich bin ausschließlich auf meinen Lohn angewiesen, weil ich kein Sondergeld von Freunden oder Angehörigen bekomme. Wenn man hier nur noch Taschengeld auf Dauer hat, geht es einem schlecht.“

22.03.2020, Gefangener, JVA Hannover
Wunsch nach Gespräch auf Augenhöhe
„Bereits nach Erscheinen der ersten Ausgaben der FAZ mit den Warnhinweisen habe ich mir erlaubt, diese ganzseitigen Anzeigen auf den Fluren der Anstalt / des Hauses auszuhängen. Anfänglich wurden die entfernt und ich angemahnt, hier keine Panik zu schüren. Davon habe ich mich natürlich nicht abhalten lassen, die Informationen aus der FAZ und der taz (beides durch Freiabo in Bezug) sprachen eine klare Sprache. Ferner versuchte ich einen Gesprächstermin bei dem zuständigen Beauftragten des Hygieniemanagements zu bekommen, bis dato ergebnislos. Da ich u.a. auch berufsbedingt mit dem Seuchenschutzgesetz involviert war, hätte ich mir ein Gespräch auf Augenhöhe erhofft, ein frommer Wunsch auch das.“

22.03.2020. Sicherungsverwahrter, JVA Meppen
Hier herrscht generell gedämpfte Stimmung
„Als Sicherungsverwahrter habe ich inzwischen mit dem Leben abgeschlossen. Von den 10 hier Verwahrten sind innerhalb von knapp einem halben Jahr 3 Personen verstorben. Von daher herrscht hier generell gedämpfte Stimmung. Da wir vielen Beschränkungen unterliegen, ist für uns die Lage im Groben gleich geblieben. Ein wenig Unruhe wird lediglich durch die Bediensteten erzeugt. Dies liegt aber auch daran, dass sie zwischen zwei Welten pendeln.“

21.03.2020, Gefangener, JVA Oldenburg
Ohnehin in Isolationshaft
„Da ich mich mittlerweile seit 15 1/2 Jahren ununterbrochen in quarantäneähnlicher Isolationshaft befinde und ich schon von daher genötigt bin, weitestgehend ohne persönliche menschliche Kontakte zu überleben, ergeben sich für mich durch die Corona-Krise keine weiteren Einschränkungen – mehr soziale Isolation ist auch hinter Gittern einfach nicht möglich.“

21.03.2020, Gefangener, JVA Willich
Vielleicht auch eine Chance?
„Ich fühle mich schwach und leer, aber klammere mich an meinen Glauben und habe Hoffnung. ‚Alles wird gut.‘ – daran denke ich nicht, denn dafür habe ich zu viele Dinge und Schicksale erlebt. Aber wir müssen alle zusammenhalten und solidarisch und vernünftig leben. Und vielleichtist diese schwere Zeit auch eine Chance in unserer rasenden und digitalen Zeit.“

21.03.2020, Gefangener, Untersuchungshaftanstalt Hamburg
Vollständiger Einschluss
„Seit Freitag vollständiger Einschluss in der Zelle, 24 Stunden, für das Essen geht nur die Klappe in der Zellentür auf… Mir tun die Mitgefangenen leid, ohne Besuche, Zelle zu und fertig. Ich bin da eine Ausnahme, die nicht zählt. Schon früh bat ich meine Verlobte, meine Mutter, ein Gefängnis nicht zu betreten.“

20.03.2020, Gefangener, JVA Bayreuth
Entlassung rückt in weite Ferne
„Was mich persönlich sehr bewegt, ist, dass der seit Monaten bestellte Gutachter nun auf unbestimmte Zeit wegbleibt, eine Entlassung in weite Ferne rückt und meine von mir geführten Zivilprozesse nicht zum Abschluss kommen. Immerhin geht es bei mir um mehrere Jahre und darum, endlich meine Unschuld beweisen zu können.“

20.03.2020, Gefangener, JVA Brandenburg
Von Informationen aus der Zeitung abhängig
„Da ich hier in der Krankenhausabteilung arbeite, habe ich natürlich einen detaillierten Einblick. So wurden nach Bekanntwerden der Krise sowohl in den Räumlichkeiten der Sotha wie auch im Krankenhaus sicherheitshalber zwei komplette Flügel für Verdachtsfälle geräumt. Es wurden Informationen zum allgemeinen zukünftigen Verhalten ausgegeben und mitgeteilt, dass ab sofort sämtliche Besuche von Angehörigen, aber auch Ausführungen, Ausgänge sowie sämtliche Lockerungen gestrichen sind. Die Hausarbeiter sind angehalten, Türklinken u.ä. mehrmals täglich zu desinfizieren und auf Sauberkeit zu achten. Einzeltherapeuten sowie externem Personal wird das Betreten der Anstalt verweigert. Letztendlich sind wir derzeit tatsächlich von Informationen und Kontakten über die Zeitung oder durch das Telefon abhängig.“

20.03.20 Gefangener, Sozialtherapeutische Anstalt Hamburg
Anstalt abgeschottet
„Noch kein Verdachtsfall bekannt, eine Station wurde zur Quarantäne-Station umfunktioniert, die Anstalt abgeschottet, das bedeutet Besuch 1 x monatlich 1 h mit Trennscheibe, keine Langzeitbesuche, keine Ausgänge oder sonstige Vollzugslockerungen, kein Kraftsport (wegen der Verletzungsgefahr), keine Freizeitgruppen, kein Körperkontakt zu anderen Insassen… Alle Insassen sind sehr besonnen und ruhig, machen sich jedoch Sorgen um ihre Angehörigen in Freiheit. Mich bewegt am meisten die Distanz zu meiner Partnerin.“

20.03.20, Gefangener, JVA Kaisheim
Keine Besuche, aber Telefongespräche
“ Auch hier werden Schritte unternommen – wie bis ca. 20.4.20 kein Besuch mehr für Gefangene, mal seh’n, wie’s weiter verläuft. Die Lage ist hier gespannt, da viele Vergünstigungen wegfallen – und noch werden. Wir dürfen aber unsere Bekannten anrufen. Wird bei Antrag großzügiger gehandhabt, da früher so viele Telefongespräche abgelehnt wurden. Übrigens die JVA macht auch Rundgänge, wo die Leute sich informieren können. Duschen, Aufschlüsse, was man von sich aus organisiert, ist noch im realen Bereich“

19.03.20, Gefangener, JVA Neumünster
Sorgen um die Familie
„Zuerst wurde hier bekanntgegeben, dass bis auf Weiteres der Besuch komplett gestrichen ist, am 17.3. wurde die Berufsschule zugemacht, und ab dem 26.3.20 wird die Schule komplett geschlossen. Die Ausbildungs- und Arbeitsbetriebe werden auch noch den Betrieb einstellen. Ich war erstmal erschrocken, wie rasant sich der Corona-Virus verbreitet hat und mache mir Sorgen um meine Familie. Extrem belastet mich, dass mein Bruder an Krebs erkrankt ist. Dieses Jahr hatte er mehrere OP’s, so dass er mich nicht besuchen konnte und nun ist der Bezug abgesagt.“

19.03.20, Gefangener, JVA Werl
Stimmung schon etwas aggressiver
„Das macht die Stimmung untereinander schon etwas aggressiver. Viele können ihre Familien, Partner und die Kinder vorerst nicht sehen. Was mich selbst arg bewegt, dass man hier kaum informiert wurde, oder erst dann, wenn schon Maßnahmen eingeleitet wurden. Dazu kommt, dass man hier nicht einfach zum Arzt oder Sanitätsdienst darf.“

18.03.2020, Gefangener, JVA Lingen
Alles auf Notprogramm
„Bewegen tut mich am meisten, dass ich nicht telefonieren kann. Da hier die Zahlstelle nicht besetzt ist, läuft alles auf Notprogramm. Das heißt, keine Überweisungen, kein Kontakt zur Familie.“